Eine prächtige Arena, in der einst Gladiatoren kämpften, inmitten dieser wunderschönen grünen Oase in Languedoc. Ja, genau – Nîmes liegt nicht direkt in der Provence. Wer jedoch den Pont du Gard besucht, muss auch die weiteren 23 km auf sich nehmen und dieser lebendigen Stadt und einstigen Textilmetropole einen Besuch abstatten.

Provence & Côte d’Azur Roadtrip (Part III)

Tag 3

Dieser Tag war eindrucksvoll – begonnen mit dem wilden Markttreiben in Vaison-la-Romaine bis hin zur aktiven Kajaktour am Pont du Gard. Übermüdet erreichen wir unser Hotel in Nîmes am frühen Abend. Übernachtet haben wir im Hotel Des Tuileries, es liegt bequem 5 Minuten Fußmarsch von der Innenstadt entfernt und hat eine gute Bewertung bei Booking. Die Zimmer sind zwar nicht riesig, aber für einen Besuch der City absolut ausreichend. Das Hotel war sauber und ordentlich und das Personal freundlich und sprach Englisch. Außerdem gab es eine Garage für den Wagen.

Begrüßt wurden wir mit der Frage, ob wir auch wegen des Konzerts hier wären. Unser fragenden Blicke nahm er als Verneinung auf und ergänzte, dass System of a Down am Abend ein Konzert in der Arena geben. Ich war neugierig, wie weit man das wohl hören wir.

Der Abend verlief entspannt – wir flanierten durch die Altstadt, genossen Pastis und Rosé in der La buvette du p’tit nimois. Diese Bar ist absolut empfehlenswert und bringt alles mit für einen perfekten Abend. Der Barkeeper ist dezent „frankomürrisch“, mit unserer dritten Bestellung taute er auf und rang sich sogar das ein oder andere Lächeln ab (was für Touristen in Südfrankreich gleichbedeutend ist mit dem Ritterschlag). Gefährlich ist dort auch die permanente Versorgung mit Snacks, die uns den Appetit nach einer richtigen Mahlzeit verdorben haben.

Der Sound des Konzertes preschte durch die engen Gassen und auf dem Rückweg gingen wir auch direkt an der Arena vorbei. Es war so, als ob die Stadt still wurde und wie in Deckung unter Glocke dumpf wirkte, im Vergleich zum Hardrock Programm, welches echt und laut aus dem Amphitheater schmetterte.

Tag 4

Sightseeing Sightseeing Sightseeing – das Frühstück im Hotel Des Tuileries würde man im Reisekatalog als „landestypisch“ beschreiben. Es gab frische Croissants, leckere Marmelade und, leider wie in überall in der Provence, keinen guten Kaffee. Wer sich auf Aufschnitt und Brot freut, muss leider enttäuscht werden. Die Croissants waren frisch vom Bäcker gegenüber und schmeckten köstlich.

Punkt 1 auf der Agenda war die Arena. Der Andrang hielt sich im Juni in Grenzen. Im Innenraum war zwar noch die Bühne vom Vortag aufgebaut, jedoch erinnerte sonst nicht an das gestrige Konzert. Der Eintritt liegt bei 9,50 € inkl. Audioguides und ich lege euch diese Tour wirklich ans Herzen.

Mein Wissen über Gladiatoren beruhte bis dato auf dem gleichnamigen Film von Ridley Scott – mehr nicht. Taucht ein die Welt des 1. Jahrhunderts und ihr werdet überrascht sein, dass der Gladiator früher kein Sklave sondern eher ein Rockstar war. Ich hatte eine halbe Stunde für das ein oder andere Bild eingeplant. Schlussendlich kamen wir zwei Stunden später beeindruckt und bereichert heraus und waren förmlich geflasht. Wer in Nîmes ist, darf die Arena nicht auslassen.

Das Maison Carré war Punkt unser nächstes Ziel. Ein aus glänzendem Kalkstein, dem Namen widersprechend, rechteckiger Tempel. Das im 5. Jahrhundert erbaute Gebäude ist gesäumt mit stattlichen Säulen. Es reicht jedoch ein Foto Stopp von außen – der Eintritt für drinnen, liegt bei ca. 6,00 €. Dort wird jedoch nur ein 3D Film gezeigt.

Als einstige Metropole der Textilindustrie, war die Wasserversorgung essentiell für die Stadt. Dies geschah unter anderem mit Hilfe des Pont du Gard, wobei das Wasser genau an diesem Brunnen heraussprudelte.

Funfact: Der Jeansstoff kommt auch aus dieser Stadt, was auf französisch „de Nîmes“ bedeutet. Aus dieser Begrifflichkeit leitet sich das heute eher bekannte „Denim“ ab.

Heute ist Nîmes überseht mit Springbrunnen, Kanälen und Wasserstraßen. Der 21.06.2017 war ein sehr heißer Tag in Nîmes. In der sengenden Mittagshitze machten wir unsere Mittagspause im Café Les Délices Nimois gegenüber des Haupttors zu den Jardins de la Fontaine, den Gärten der Springbrunnen. Es gab ein Croque Monsieur im Schatten mit Blick auf das plätschernde Wasser des Parks.

Die Jardins laden im Nachgang mit ihren schattigen Bäumen zu einem Mittagsschläfchen ein. Gestärkt und erholt erkundigten wir den Park, der etliche römische Überreste beherbergt. Mich lockte der 30m Hohe Tour Mange (Eintrittspreis 3,50 €). Der Turm war der höchste von mehreren Türmen entlang der Festungsmauer steht oben auf dem Hügel. Wer die 140 Stufen erklimmt, wird mit einem atemberaubenden Panoramablick belohnt.

Schwabenspartipp #1: Wenn ihr sowohl den Turm als auch die Arena besichtigen wollt, kauft euch das Kombiticket Pass Nîmes für 11,70 €. Es beinhaltet zusätzlich auch noch den Eintritt in das Masion Carré, lohnt sich aber schon bei zwei Sehenswürdigkeiten.

Der Ausblick war wunderschön und der kühle Wind dort oben, ist sehr erfrischend nach dem schweißtreibenden Aufstieg in der Hitze. Belohnt euch danach mit einem kühlen Bier im Biergarten Les Tables de la Fontaine.

Der Abend startete wieder bei einem Aperitiv in der Bar La buvette du p’tit nimois. Es sieht eher nach einem Treffpunkt der Locals aus, der Barkeeper spricht kein Wort englisch und versorgte uns mit patzigen Höflichkeit eines kölschen Köbes, schiebt jedoch immer ein Lächeln hinterher. Wir fühlten uns wohl, sparten uns aber die Snacks aber dieses Mal.

Schwabenspartipp #2: Bestellt in Restaurants kein Mineralwasser in Flaschen, sondern eher Leitungswasser aus der Karaffe. Letzteres kostet mit knapp 2,00 € für einen Liter knapp nur ein Fünftel, vom Preis der kleineren Flasche Mineralwasser.

Abendessen gab es im Les Magnolias am Place des Esclafidous. Das Essen war köstlich, der Service leider nicht. Wir sind mal wieder (als einziges Paar im Außenbereich) auf den Wassertrick reingefallen und haben uns eine 0,75l Flasche Evian für 10,00 € gegönnt und mussten nach dem Essen bestimmt eine halbe Stunde auf die Rechnung warten. Den Schnaps zur Beruhigung haben wir uns wieder in der Bar  La buvette du p’tit nimois gegönnt und mit Einbruch der Dunkelheit wurden es immer mehr Menschen, die Bars und Lokale schenkten ihre Getränke draußen an Ständen aus, überall lief Musik und es entwickelte sich ein Altstadtfest – Mittsommernacht. Und wir feierten mit. Es wurde getanzt, gelacht, es gab Pastis, Rosé, Chartreuse (eine grüner Likör, der an Mundwasser erinnert) und Rum avec Coca. Es war ein fröhliches Fest, was wahrscheinlich noch weitaus länger ging als 2:00 Uhr, als wir uns davon verabschiedet haben.

Tag 5

Wir ließen das Frühstück ausfallen und blieben stattdessen lieber noch etwas liegen am nächsten Morgen. Es war wieder Abreisetag. Leicht angekatert versorgten wir uns beim Bäcker gegenüber mit einem (wie immer) nicht so guten Kaffee und ein paar Pain au Chocolate. Wir verließen Nîmes müde, aber einem Gefühl der inneren Zufriedenheit, welches ausgelöst war durch das bunte Mittsommerfest. Weiter geht es in den Luberon ins Herzen der Provence nach Gordes.