Innerhalb der begrünten Stadtmauer liegt eine Stadt, deren Schönheit von außen nur schwer zu erahnen ist. Neben den klassischen Hotspots der Toscana, wie Florenz und Siena wollten wir unbedingt noch ein paar versteckte Schönheiten sehen. Orte, die nicht ganz so überlaufen sind, aber dennoch nur so vor toskanischem Flair strotzen. Wer auch so eine Stadt sucht, ist in Lucca genau richtig.

Lucca Dächer Toskana Roadtrip 2016

Blick über die Dächer von Lucca

Lucca

über die Teufelsbrücke zu Puccini

(Toskana Roadtrip Part II)

Tag 4

Als wir morgens in Sestri Levante aufgebrochen sind, war es leicht bewölkt, sodass uns der Abschied nicht ganz so schwer viel. Unser nächster Stop war Lucca. Jedoch schlugen wir nicht den direkten Weg ein, sondern fuhren durch die apuanischen Alpen für zwei Stops erst nach Castelnuovo di Garfagnana und dann zur Ponte della Maddalena.

Lucca Teufelsbrücke 1 Toskana Roadtrip 2016

Ponte del Diavolo (Teufelsbrücke)

Die Brücke wird auch Ponte del Diavolo (Teufelsbrücke) genannt. Der Legende nach schloß der Bauherr der Brücke einen Pakt mit dem Teufel, da er mit den Bauarbeiten nicht zum Stichtag fertig werden würde. Als Lohn wollte der Teufel die Seele, des Ersten, der über die Brücke schritt. Der Bauherr stimmte ein und der Teufel hob die Brücke mit seiner Gabel zum Bogen an. Als der Bauherr dann doch Gewissensbisse bekam und bei einem Priester beichtete, rat dieser ihm den Pakt einzuhalten und ein Schwein als erstes über die Brücke zu schicken. Der Teufel war von dieser List so wütend, dass er sich von der Brücke stürzte und nie wieder gesehen wurde.

Lucca Teufelsbrücke 2 Toskana Roadtrip 2016

…tatsächlich steiler als gedacht

Betankt mit dieser Anekdote machten wir uns weiter auf nach Lucca. Die Stadt an sich ist autofrei und wer mit dem Wagen anreist, parkt diesen am besten in einem der Parkhäuser direkt hinter der Stadtmauer. Wir wählten das Mazzini Parkhaus, da es das nächste zur unserem B&B Guest Apartment Margherita war. Das B&B wird betrieben von einem jungen Ehepaar, die das mit Liebe machen. Wir hatten ein wunderschön eingerichtetes Zimmer und wundervolle Gastgeber.

Auch Lucca hält was es verspricht und weitaus mehr wert als nur einen Tagestrip von Florenz aus. Wir erkundeten die Stadt und flanierten als ersten zum Piazza Amfiteatro. Der ovale Platz umringt von Cafés verdankt seinen Namen dem Amphitheater, dass zu Zeiten der Römer hier befand. Wir genossen einen Kaffee und schweiften mit unseren Blicken über das bunte Treiben. Die unzähligen Straßenmusikanten geben alle die schönsten Stücke, des berühmtesten Sohnes der Stadt wieder – Puccini.

Lucca Piazza Amfiteatro Toskana Roadtrip 2016

Piazza Amfiteatro

Nächster Fotostop Chiesa di San Michele in Foro. Diese Kirche steht dort, wo früher der Markt war und ihre Hochzeitstorten-Fassade wurde in 300 Jahren zwischen dem 8. und dem 11. Jahrhundert erbaut.

Lucca Chiesa di San Michele in Foro Toskana Roadtrip 2016

Chiesa di San Michele in Foro

Getoppt wird die Kirche nur noch noch durch die Kathedrale San Martino. Die war unser nächstes Ziel, welches aus niederen menschlichen Bedürfnissen – HUNGER – leider nicht die entsprechende Aufmerksamkeit bekommen hat, welche es verdient.

Lucca San Martino Toskana Roadtrip 2016

San Martino

Wer in der Toskana einen leichten Hunger bekommt, muss nicht unbedingt in ein Restaurant. Eine angenehm leichter Alternative bieten die Aperitivobars. Ab 17:00 Uhr laden diese Lokale zu einem erfrischenden Hugo oder spritzigen Aperol ein – und das schöne daran? Das Essen gibt es gratis dazu. Je nach Lokal gibt zu den Getränken entweder eine Variation aus Nüssen und Chips, oder aber auch Oliven und Bruschetta oder andere Antipasti. Eine Bars bieten sogar ein Buffet an, an dem man sich bedienen darf.

Lucca Cafe Torre Guingi Toskana Roadtrip 2016

…e un caffé am Torre Guingi

Wir entschieden uns für die Osteria dello Stellario. Die Besitzerin selbst hat uns bedient und es war positiv spürbar, dass das Lokal ihr Baby ist. Die Plätze draußen werden von der milden Abendsonne bestrahlt und wir überbrückten unseren Hunger mit leckeren Antipasti und einem erfrischenden Spritz. Die Kunst des Aperitivo ist es, zu wissen, wann genug ist. Wir haben natürlich alles schön brav aufgegessen und waren pappsatt.

Lucca Ausblick Torre Guingi Toskana Roadtrip 2016

Blick auf San Martino vom Torre Guingi

Ein Glück hat Lucca so viele Türme – unter anderem den Torre Guingi. Wir genehmigten uns einen Verdauungsespresso im Café am Fuße des Turms und sind dann, sehr zum Leidwesen meiner Frau, die 230 Stufen auf die Spitze dieses 45 m hohen Bauwerks. Äußerst beeindruckend sind die sieben Eichen, die U-förmig auf der Aussichtsplattform gepflanzt sind.

Als top Adresse zum Abendessen kann ich das Port Ellen Clan nur empfehlen. Es bringt neben der Qualität des Essens auch eine sehr gute Weinauswahl mit und hat darüberhinaus auch optisch sehr viel zu bieten. Bei einem leckeren Chianti ließen wir den Abend ausklingen.

 

Tag 5

Das Frühstück im Guest Apartment Margherita war einfach spitze. Es gab eine reichhaltige Auswahl am Buffet dazu Frühstückseier nach Wunsch und der Kaffee war auch lecker. Und was wäre das Sättigungsgefühl ohne danach einen Turm zu besteigen. Vorbei an Modeboutiquen ging es über die gepflasterte Via Fillungo, die quer durch das Herz der Mittelalterstadt führt, zum Torre Civica delle Ore. Der 50 m hohe Glockenturm, ist das höchste Gebäude der Altstadt und wer die 207 Holzstufen erklimmt, wird mit einem herrlichen Ausblick belohnt. Außerdem fühlten wir uns auch wieder etwas leichter.

Lucca Ausblick Torre Civica delle Ore Toskana Roadtrip 2016

Blick auf Torre Guingi vom Torre Civica delle Ore #towerhopping

Danach checkten wir aus, wurden herzlich verabschiedet und brachten unsere Koffer zum Auto. Der Vormittag war noch nicht zu heiß und so entschieden wir uns, noch einen Spaziergang auf der Stadtmauer zu machen. Der Parkplatz war der perfekte Ausgangspunkt für diesen Rundgang.

Die Mura, wie sie in Lucca genannt wird, ist nachmittags sehr voll, da es sich hierbei um den Lieblingsweg der Lucchese für deren passeggiata (Nachmittagsspaziergang) handelt. Wer kann es Ihnen auch verübeln – der 4,2 km lange Weg ist als Allee mit Bäumen bepflanzt und verläuft auf einer Höhe von 12 m. Es ist schwer sich zu entscheiden, ob man während des Spaziergangs eher hinunter in das historische Zentrum oder hinaus auf die apuanischen Alpen schauen soll. Nach gut 1,5 Stunden waren wir wieder an unserem Parkhaus und machten uns auf den Weg nach Siena.

Auch auf diesem Trip waren zwei Stops für den Tag eingeplant – Pisa und San Gimignano. In Pisa wollten wir das klassische Bild am schiefen Turm machen und die Mittelalterstadt San Gimignano ist bekannt für ihre hohen Türme. Die 12 Türme verleihen der Stadt auch Ihren Spitznamen Mittelalter Manhatten. Wir wollten die Stadt besuchen, weil der EISWELTERMEISTER Sergio Dondoli dort seine Gelateria hat. Es war jedoch August, es war traumhaftes Wetter und es war Freitag (was wie Wochenende gilt) – kurzum, es war so voll, dass wir an beidem nur vorbei gefahren sind.