Keine Region steht mehr für die Provence als der Luberon. Das klassische Bild von Lavendelfeldern, kleinen Bergdörfern und dieser wunderbar echten markanten Landschaft verbindet dieses Gebiet, benannt nach der Bergkette, welche hier hindurch verläuft.

Traditionell karg ist hier nicht nur die Landschaft, sondern auch seine Einwohner , die sinnbildlich für den Stereotyp, des mürrischen Franzosen steht.

Provence & Côte d’Azur Roadtrip (Part IV)

Tag 7

Die nächsten drei Nächte sollte ein Hüttchen des Camping Platz in Gordes unser Zuhause sein. Auf dem Weg von Nimes nach Gordes machten wir einen Zwischenstopp in L’Isle-Sur-la-Sorgue (dt. „die Insel auf der Sorgue“). Diese kleine Städtchen trägt den Beinamen „das Venedig der Provence“, da die Altstadt umgeben von einem Wassergraben ist. Es ist Donnerstag und somit auch Markttag vor Ort – das wollen wir uns nicht entgehen lassen.

Schwabenspartipp #1: Parkt euren Wagen an Supermarktparkplätzen. Diese sind zwar nicht kostenlos, aber weitaus günstiger, als die anderen Alternativen. Wir haben uns danach eine Flasche Wasser im Markt gekauft und mussten schlussendlich für die 2 Stunden nur 1,00 € Gebühr zahlen.

Der Markt in L’Isle-Sur-la-Sorgue, war der schönste unsere Provencetrips. Er zieht sich durch die komplette Altstadt von einem Wassergraben zum nächsten. Überall plätschern Kanäle oder quietschen Wasserräder. Wir versorgten uns mit frischem Gemüsen, Oliven und Wein und brachen danach weiter auf nach Gordes. Die kurze Nacht und die aufsteigende Mittagshitze in Kombination reduzierten die Wünsche auf den Pool am Campingplatz und einen Mittagsschlaf.

Gordes hängt als Stadt stufenförmig, wie eine riesige prächtige Hochzeitstorte an einem Felshang. Der Weg hinauf zur Stadt bietet einem die komplette Sicht auf diesen malerischen Ort. Haltet an und genießt den Ausblick – achtet aber darauf, dass der Verkehr nicht gestört wird, denn die Straße ist sehr schmal.

Den Campingplatz erreichten wir um kurz nach 13:00 Uhr und wollten nur noch an den Pool. Da die Häuser erst ab 15:00 Uhr beziehbar waren, rechneten wir schon damit, dass wir nicht direkt hinein können, hofften aber den Pool nutzen zu können.

Die Rezeption hatte Mittagspause von 13:00 bis 15:00 Uhr und niemand war weit und breit zusehen. Durch ein offenes Fenster entdeckte ich eine Dame beim Essen. Ich entschuldigte mich für die Störung, stellte mich als Gast vor und fragte höflich, ob die Mittagspause nur für das anliegende Restaurant gemeint ist oder auch für die Rezeption? Eine pampige Antwort, dass ich ab 15:00 Uhr einchecken könne, schmetterte mir entgegen. Auf die Frage, ob wir in der Zwischenzeit schon einmal den Pool benutzen dürfen, bekam ich weiteres plumpes „non“. Mein Puls stieg, ich ballte die Faust in der Tasche und ging.

Wir verbrachten die nächsten zwei Stunden in einem Café Le Cercle Republicain in der Altstadt der Stadt, verärgert durch die patzige Unhöflichkeit der Gastgeberin und müde vom Vortag. Das Café hat auf der anderen Seite ein Balkon mit einem herrlichen Panoramablick. Die wild umherfliegenden kreischenden Schwalben unterhielten uns mit ihren Kunststücken und hellten die Stimmung leicht auf. Für den Rest gönnten wir uns ein Radler. Die letzte halbe Stunde schlenderten wir durch die pittoreske Altstadt – davon träumend, wie entspannt es gleich am Pool wird.

Als wir dann um 15:00 Uhr dann einchecken durften, wurden wir dabei ganz klar darauf hingewiesen, dass am Pool keine Badeshorts erlaubt sind, sondern nur kurze Badehosen getragen werden dürfen. Natürlich hatte ich eine solche Badehose nicht dabei. Das sei wohl normal in Frankreich und sehr verbreitet – es ärgerte mich nur enorm, dass ich die letzten zwei Stunden meine Zeit in Café überbrückt habe und nichts mehr wollte als mich an diesen Pool zu legen. Ich machte meinem Unmut Luft, jedoch prallte dieser wie ein Flummi an der Arroganz der Besitzerin ab.

WICHTIGER HINWEIS für die Herren: wer in Südfrankreich an einen Pool möchte, sollte zwingend eine enganliegende Badeshort oder (wer’s mag) eine Speedo dabei haben. Diese wird nur zum Baden benötigt – am Pool relaxen darf man auch in weiteren Shorts.

Mit hochrotem Kopf brachte ich die Koffer in die Hütte und zog erneut los, mir, weiß Gott wo, eine adäquate Badehose zu kaufen. Der freundliche Kellner im Café gab mir den Tipp, dass 3 Orte weiter ein großer Supermarkt ist. Die Auswahl ist bestimmt nicht groß, aber es sollte dort Badehosen geben.

Eine weitere Stunde später war Besitzer einer sexy anliegenden Badehose und dürfte endlich in kühle Nass – was ein Ritt.

Den restlichen Tag lang haben wir entspannt und hatten genug von französischer Freundlichkeit. Der Campingplatz an sich, war auch echt schön. Er liegt oberhalb der Stadt und bietet vom Pool aus einen traumhaften Blick über den Luberon. Die Hütten waren gepflegt und sauber – dennoch, trotz all dieser Vorzüge empfehle ich den Campingplatz NICHT und dies allein wegen der Unfreundlichkeit der Gastgeber.

Tag 6

Der Luberon wird am besten durch kleine Wanderungen zu Fuß erkundigt. Mein Ziel für diesen Vormittag war das Abbaye Notre-Dame de Sénanque. Es liegt 3,5 km entfernt vom Campingplatz und damit in bequemer Distanz für einen Halbtagsausflug.

Dieses wunderschöne Kloster liegt im Tal umgeben von lilafarbenem Lavendel. Es ist klassische Motiv der Postkarten des Luberon und kann wunderbar über die Wanderroute GR6 innerhalb von anderthalb Stunden erreicht werden.

Sowohl der Weg als auch das Ziel waren wunderschön anzusehen. Der Lavendel blühte im Juni zwar schon leicht, zeigt seine volle Farbenpracht wohl aber eher Ende Juli. Mir reichte der Blick von außen auf dieses fast 900 Jahre alte Kloster. Es beherbergt übrigens noch immer ein kleine Gruppe an Mönchen. Wer möchte, kann das Kloster aber auch im Rahmen einer Führung besuchen (Preis: 7,00 €). Achtet dabei aber auf nicht zu freizügige Kleidung.

Den Campingplatz erreichte ich pünktlich zur Mittagszeit und konnte den restlichen Nachmittag am Pool entspannen.

Ich hatte am Vortag im Supermarkt eine Theke mit frischem Fisch entdeckt. Am Abend holten wir uns dort frische Scampi, leckeren Rosé und Baguette

Tag 7

Auch der zweite Tag in Gordes stand unter dem gleichen Stern wie der vorherige. Das heutige Wanderziel war die rote Mondlandschaft von Colorado Provençal südlich des Dorfes Rustrel. Es liegt eine halbe Autostunde (ca. 30 km) entfernt von Gordes.

In diesem Steinbruch wurde bis ins letzte Jahrhundert hinein Ocker abgebaut. Er bietet ein herrliches Farbenspiel aus Rot-, Gelb und Orangetönen. Der Anblick erinnert an alte Wildwest Landschaften.

Schwabentipp #2: Der Eintritt ist frei. Ihr müsst lediglich den Betrag für 5,00 € für Parkplatz entlöhnen.

Nehmt euch für den Rundgang von gut 5 km Zeit und genießt das Goldgräber-Feeling.

WICHTIG: Der Weg bietet kaum Schatten und auch keinen Shop. Deshalb denkt an Sonnenschutz, Kopfbedeckung und ausreichend Wasser.

Nach diesem aktiven Part hatte ich mir den restliche Tag Entspannung am Pool redlich verdient, denn auch der nächste Tag in der Schlucht von Verdon brachte Action mit sich.